Startseite Innovationen
Belüftung & Klimatisierung
von Marc 'Dreikommanull' Christiansen   

Die Klimatisierung war ebenfalls eines der großen Kapitel im Lastenheft der Baureihe 126.

Bereits der Vorgänger W116 hatte eine sehr ausgeklügelte Belüftungsanlage die zu ihrer Zeit so von keinem anderen Wagen geboten wurde - immerhin wurde ab 1977 auch erstmals bei einem Serienwagen aus deutscher Produktion eine Klimaautomatik gegen Aufpreis geliefert. Beim W126 ging man sogar noch einen enormen Schritt weiter - der Abstand zu den Mitbewerbern wurde maximiert - in Richtung Zukunft. Die Rede ist hier von der vollelektronischen Steuerung der Heizanlage, selbstverständlich serienmässig!

lueftung126

Der Heizungs- und Klimakasten wurde mit dem bekannten Zulieferer BEHR entwickelt.

Heizmatik

Mit Hilfe der Robert Bosch GmbH hat die Daimler-Benz AG das leistungsfähigste und feinfühligste Aggregat zur Klimatisierung serienmässig in die neue S-Klasse verbaut - eine vollelektronische Heizungssteuerung.

Statt eines manuell über Bowdenzüge zu betätigenden Wasserhahns am Heizungswärmetauscher (beim W116 immerhin schon per Unterdruck angesteuert aber weiterhin mechanisch betätigt) wird diese Funktion durch elektrohydraulische Magnetventile äusserst feinfühlig und stets zuverlässig ausgeführt.

Die Apparatur hierzu wird als Heizungsduoventil bezeichnet, da zwei getrennte Ventileinsätze (Fahrer und Beifahrerseite) für die Heisswasserversorgung zuständig sind und die benötigte Menge durch ein Steuergerät bestimmt in den Wärmetauscher einlaufen lassen - bei der optionalen Klimaautomatik handelt es sich nur um ein Magnetventil. Deshalb ist hier dann von einem Monoventil die Rede - bei der Klimatisierungsautomatik konnte nur eine Klimazone im Fahrgastraum eingestellt werden.

duoventil

Durch verdrehen der Temperaturwählräder wird ein einmal eingestellter Temperaturwunsch der Insassen von +16°C bis 32°C sehr schnell und ohne weiteres zutun eingeregelt und auch gehalten! Das Besondere hierbei ist, dass die Temperatur sowohl auch bei einer sehr hohen Geschwindigkeit, als auch im Stand gehalten und erreicht wird. Für Letzteres sorgte eine elektrisch betriebene Zusatzwasserpumpe (Umwälzpumpe) die den Wärmetauscher auch bei geringen Motordrehzahlen mit ausreichend heissem Kühlwasser versorgte (bei der 1.Serie nur bei den V8-Modellen serienmässig, ab Ende 1985 bei allen Modellen).

Ein kleines Steuergerät liest die Messwerte der Temperaturfühler am Wärmetauscher und im Fahrgastinnenraum ein und vergleicht diese mit programmierten Sollwerten - hierdurch ergeben sich die Öffnungszeiten der Magnetventileinsätze und dadurch eine genaue Temperaturregelung im Innenraum.

heizmatik

Die Heizmatik genannte Anlage war in allen W126 Modellen serienmässig an Bord. Sie stellt den selben Komfort dar wie eine Klimaanlage, lediglich ohne die kühlende (und lufttrocknende) Funktion der optionalen Kälteanlage.

Klimaanlage/Klimaautomatik

Natürlich gab es auch im W126 eine Klimaanlage und eine komplett neu entwickelte Klimaautomatik ab Produktionsbeginn auf Sonderwunsch.

klimaanlage_1serie

Zunächst ist die normale Klimaanlage jedoch nur manuell geregelt - mittels zusätzlichem Wählrad konnte die Intensität des Klimakompressors stufenlos vom Fahrer geregelt werden. Im Juli 1981 wurde dann endlich eine automatisch geregelte Klimaanlage angeboten - mittels Tastschalter konnte man nun die Klimaanlage zur Heizmatik hinzuschalten, so dass immer das an den Temperaturwählrädern gewählte Temperaturniveau von selbst erreicht und eingehalten wurde. 

Weiter wurde zu diesem Zeitpunkt auch die Umluftfunktion serienmässig verbaut und erhöhte so die Klimatisierungsqualität der Anlage. Damit die Regelung der Kälteanlage (auch bei Heizmatik) genauer und feiner angesprochen werden konnte, wurde der Temperaturfühler vom Armaturenbrett in die Dachrahmenverkleidung verlegt.

Die Klimaanlage wurde nun durchweg bis zur Einstellung der Baureihe per Tastschalter angesteuert (unten links im Bild).

klimatisierung

Weiter gab es auch eine Voll-Klimaautomatik (rechts im Bild)  die zuvor bereits erstmals in der Vorgängerbaureihe eingeführt worden war - allerdings mit weniger komfortabler Ansteuerung und Regelung der Temperatur als es im Typ 126 der Fall war.

Klimaautomatik_Kurzanleitung

Unter heutigen Gesichtspunkten kann man sagen dass der wahre Komfort nur mit der Klimaanlage erreicht wird: erstens kann man hier die Temperatur für Fahrer und Beifahrer getrennt regeln; zweitens gibt es eine Schnelltrocknungsfunktion zum schnellen Abtrocknen der Luft und gleichzeitiger Beseitigung des Beschlags an den Scheiben und drittens eine feiner (aber manuell) regulierbareBelüftungsgeschwindigkeit.

Ab 09/1987 wurde die optionale Kälteanlage sogar durch einen digitalen Mikroprozessor gesteuert. Des weiteren wurde ein zusätzlicher Aussentemperatursensor verbaut der somit eine weitere Steuergröße für die Sensorik lieferte.

Die so gesteuerte Anlage suchte wieder einmal ihresgleichen im Feld der Mitbewerberfahrzeuge und ist auch heute noch als "state-of-the-art" zu bezeichnen. Der Verfasser ist jedes Mal aufs Neue begeistert, vom Wohlfühlklima im W126.

Generell aber hat jeder W126 - auch ohne Sonderausstattungen in diesem Bereich - heutigen Fahrzeugen vieles voraus. Zum einen kann man hier die Belüftung der vorderen Türen nennen. Nicht nur dass hierdurch der Türhohlraum immer schnell getrocknet wird (man merkt dies z.B. nach einer Fahrzeugwäsche und dem späteren herunterfahren der vorderen Fenster, die Dichtungsschachtleisten werden nahezu trocken sein!). Aber man merkt es auch gerade im Winter - die Türverkleidung wird beheizt und zieht einen unsichtbaren aber deutlich wärmenden Schutzmantel um die äussere Schulter der vorderen Insassen - so werden Fahrten im Winter eine Wohltat im W126. Die kalte Temperatur der Fensterscheiben stört den Fahrgast so nicht - leider wird diese wirklich einfache und dennoch sehr wohltuende Komfortsteigerung heute weltweit bei keinem Fahrzeug mehr angeboten!

Durch die wasserseitig geregelte Heizanlage gibt es auch ein viel feiner gestuftes Temperaturempfinden für die Passagiere als in heutigen Fahrzeugen (die in der Regel alle luftseitig geregelte Anlagen aufweisen). Zum einen greift die Heizung die Luft für den Fussraum oben am Wärmetauscher ab um dort die größte Heizleistung zu erreichen. Für den Bereich des Kopfes wird am untersten (kühlsten) Bereich des Wärmetauschers die Luft abgegriffen und weitergeleitet. Die Luftschichtung ist homogener!

Weiter verfügte die neue S-Klasse auch erstmals über einen Staudruck unabhängigen Lufteinlass direkt vor der Windschutzscheibe - das hatte zur damaligen Zeit kein Fahrzeug. 

scheibenwischer_versenkt

Ebenso wie unter der hinteren Stoßstange unsichtbar angeordnete Entlüftungsklappen die eine stetige und zugfreie Entlüftung des Fahrgastraumes garantieren (Siehe erstes Photo).

 

 

Kommentare (1)Add Comment
0
Julius420SE
November 26, 2010
213.103.208.192
Stimmen: +0
Danke!

Vielen Dank für diese interessanten Details! Da wurde wirklich eine Klasse Seite auf die Beine gestelt, obwohl mir das Hintergrundbild zuviel der erste Serie huldigt! ;-)
Es ist sehr beeindruckend, was man immer wieder über die durchdachten Detaillösungen beim für mich bis heute besten Auto der Welt erfährt.

Kommentar schreiben
 
 
kleiner | groesser
 

security image
Bitte den folgenden Code eintragen


busy
 
Bookmark fünfkommasechs.de
German Arabic Chinese (Simplified) Dutch English French Greek Hebrew Italian Japanese Norwegian Portuguese Russian Spanish Swedish Turkish

Schon gewußt?

Als einzige Motorisierungs-Variante verrät der 560er seinen gesteigerten Hubraum auch durch ein Karosseriemerkmal, nämlich durch breitere Radläufe vorne